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Ich bin im Gefängnis. Zwei Tage lang. Freiwillig.

R A U M H A F T Dort wo vor nicht allzu langer Zeit hunderte Frauen ihre Strafe für begangene Taten verbüssten, schwebt jetzt ein schwacher Verwesungsgeruch von toten Ratten, Tauben und Kakerlaken über dem Gelände. Es ist still geworden. Nur selten begegnet man in dem ausgedehnten Gefängnisareal einem anderen Besucher. Das Thermometer zeigt 35 Grad im Schatten an. Schweiss läuft mir über das Gesicht und den Rücken hinunter.
Doch dies spielt keine Rolle. Der Jäger hat seine Fährte und die Witterung seiner Beute aufgenommen. Die Beute sind die Spuren, die verborgenen Geschichten, der Nachhall der Zeit und die Signale auf dem eigenen Empfindungsecholoten, welcher dieser spezielle Ort frei setzt.
Fantasien, Projektionen, Phantasmagorien, Schimären und Dämonen oszillieren in einem wilden Reigen und führen zu einer Art Delirium. Fragen tauchen auf.
«Wie kann man an so einem Ort (über-)leben?»
«Worauf begründet sich im Vorhof der Hölle Hoffnung, wenn es denn überhaupt noch eine gibt?»
«Wovon haben diese Frauen in den Nächten und ihren Tagträumen noch geträumt?»

T R A U M H A F T Die Antworten auf diese Frage fand ich in kleinen und mit einfachen Mitteln selbstgezimmerten Garderobenschränkchen (s. Band 2). Diese hasenstallgrossen Kästchen waren denn auch die einzigen Orte im ganzen Gefängnis, wo überhaupt so etwas wie ein Privatleben zum Ausdruck kommen konnte. Was sich in ihnen zeigt, ist der Spiegel dessen, was sich die Frauen vom frei sein erhofften und erträumten.
Schaut man sich die bildgewordenen Träume genauer an, stellt man mit Verblüffung fest, dass sie sich in keinster Weise von jenen Wünschen unterscheiden, welche in Freiheit geträumt werden.
So gesehen stellt sich die Frage, ob wir nicht vielleicht alle Gefangene auf freiwilliger Basis sind und ob wir uns der Frage was Freiheit bedeutet, nicht immer wieder von Neuem stellen müssen, um
uns aus unserem eigenen Gefängnis befreien zu können?

Chiang Mai, Januar 2013

lichtenberg2

About the Author

Christian Lichtenberg
lichtenberg2 Switzerland

Christian Lichtenberg lives and works in Switzerland. His explorations are oscillating between chaos and emptiness, between the narrative and the abstract. He is using photography, video, sound and painting as medias.
On his way, he got some international awards like Grosser Preis Biennale für Fotografie, São Paolo, Brasilien had exhibitions and is represented in collections of museums like Fondation Beyeler and Kunstmuseum Biel, public institutions like Universitätsspital Basel-Stadt and private collections like Kunstsammlung Hoffmann La Roche and Kunst(Zeug)Haus Rapperswil-Jona. There are also quite a number of publications, books like Mirei Shigemori — Rebel in the Garden (Birkhäuser) and catalogues about his work.

Publish Date  June 06, 2013

Dimensions  Standard Portrait  192 pgs   ProLine Uncoated Paper

Category  Arts & Photography

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